Moderne & zeitgenössische japanische Lyrik


Als facettenreiche Subgattung japanischer Gegenwartsliteratur zeigt sich zeitgenössische Lyrik auch im neuen Jahrtausend präsent und innovationsreich. Neben den etablierten Verlagen, Magazinen und Dichtern organisieren sich neue Strömungen der Zeitgenossenschaft innerhalb des Sprach- und Gedankenraums japanischer Lyrik: „Twitter-Dichtung“, alternative Gruppen und Preise wie auch intermediale Ansätze durchbrechen und ergänzen den bestehenden Kanon von traditionellen Formen (haiku, tanka, renga) und moderner Dichtung nach europäischem Vorbild (shi, renshi). Das Forschungsprojekt „Japanische Gegenwartslyrik“ macht sich die Sichtung und Kommentierung dieser aktuellen Tendenzen zur Aufgabe; damit möchte die Frankfurter Japanologie in der deutschsprachigen Japanologie Gegenwartslyrik als eigenständiges Thema in Forschung und Lehre vertreten.

Von besonderer Tragweite sind auch im Bereich der Lyrik die Ereignisse des 11. März 2011 – zahlreiche Dichter wie etwa Henmi Yô oder Wagô Ryôichi reagierten in den Folgemonaten und -jahren mit literarischen Beiträgen auf die Katastrophe und schufen so eine neue Form japanischer „Katastrophenlyrik“, oftmals an die betroffene Tôhoku-Region gebunden und mit sozial- oder politikkritischem Anspruch. Das poetologische Spektrum dieser „Fukushima-Lyrik“, ihre literaturhistorischen Hintergründe sowie literaturtheoretischen Implikationen sind Schwerpunkte des Forschungsprojekts seit 2011.