„‚Lost in transcription?!‘ – Das Problemfeld ‚nicht-lateinische Schriften‘ in den digitalen Geisteswissenschaften"
„‚Lost in transcription?!‘ – Das Problemfeld ‚nicht-lateinische Schriften‘ in den digitalen Geisteswissenschaften (Digital Humanities) aus der Perspektive einer Liaison-Bibliothekarin für Ostasienstudien“
Obwohl Forschung und Lehre in den meisten geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen mehrsprachig sind und auf der Verwendung von Quellen und dem wissenschaftlichen Austausch in mehr als einer Sprache und häufig auch Schrift beruhen, sind die institutionellen Infrastrukturen von Universitäten in Europa oft nicht in der Lage, der erforderlichen sprachlichen und geo-kulturellen Vielfalt der Wissenschaft im digital transformierten Zeitalter gerecht zu werden. Dies gilt in den Digital Humanities (DH) insbesondere mit Hinblick auf die Arbeit mit Daten und Tools (Software) in nicht-lateinischen Schriften, wie sie in Fächern wie der Japanologie, deren Forschungsgegenstand und Quellen in außereuropäischen Regionen liegen (in Deutschland offiziell unter dem Label als sogenannte „Kleine Fächer“ oder Area Studies zusammengefasst), notwendig sind. In der Fachliteratur zum Thema „multilinguale DH“ wird dies als „ressourcedness-gap“ beschrieben, der dazu führt, dass sich koloniale Machtstrukturen bezüglich Sprache, der Definition von Standards, wissenschaftlicher Erkenntnis bis zur Kategorisierung sowie Auffindbarkeit von Wissen im Digitalen allgemein und Wissenschaftsinfrastrukturen im Besonderen fortsetzen.
Foto: ©Cosima Wagner
Der Vortrag zielt darauf ab, das Bewusstsein für Fragen der Multilingualität in den digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften (DH) zu schärfen, mit besonderem Augenmerk auf der Rolle von Universitätsbibliotheken und ihren Herausforderungen bzw. möglichen Ansatzpunkten für die Unterstützung von Multilingualität im digitalen Raum. Zugleich werden internationale Akteur*innen und Netzwerke für dieses Themengebiet vorgestellt.
Bio: Dr. Cosima Wagner ist wissenschaftliche Bibliothekarin für Ostasienstudien an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin mit einem fachlichen Hintergrund in den Studienfächern Japanologie, Geschichte sowie Bibliotheks- und Informationswissenschaften. Sie ist Leiterin des Fachbibliothekar*innen-Teams Ostasienstudien in der Campusbibliothek und als Liaison für die Ostasienstudien-Fächer mit besonderem Fokus auf Digital Humanities, Forschungsdatenmanagement und Open Science tätig. Sie ist Mitbegründerin des Multilingual DH Labs am Ada Lovelace Center for Digital Humanities der Freien Universität Berlin und der Multilingual DH-Arbeitsgruppe auf nationaler Ebene innerhalb des Verbandes der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd).
Datum: 30. Mai 2025, 12-13 Uhr
Ort: SKW, Raum 05.B127

