Vortrag Prof. Dr. Ulrich Schneider: "Far from home - George Nakashima (1905-1990) und Toshiko Mori (* 1951). Zwei japanische Architekten in den USA"
Prof. Dr. Ulrich Schneider (Kunsthistorisches Institut, Goethe Universität – Frankfurt): Far from home - George Nakashima (1905-1990) und Toshiko Mori (* 1951). Zwei japanische Architekten in den USA.
Nakashima wurde als Sohn japanischer Einwanderer im Staat Washington geboren. Nach dem Architekturstudium in Seattle reiste er 1931 durch die Welt und schließlich nach Japan. Hier arbeitete er im Büro von Antonin Raymond, der als Bauleiter Frank Lloyd Wrights zu den Initiatoren der modernen Architektur in Japan zählt. Für ihn wurde Nakashima als Baumeister des Golconde Dormitory für das Sri Aurobindo Ashram in Pondicherry (Südindien) tätig und somit Begründer der architektonischen Moderne auf dem Subkontinent. Nach den USA zurückgekehrt, wurde er 1942 mit seiner jungen Familie interniert. Im Lager ließ er sich zum Ebenisten ausbilden. Auf Raymonds Fürsprache entlassen, zog Nakashima nach New Hope, PA und arrivierte zu den weltweit bekanntesten Möbeldesignern. Auf seinem Grundstück errichtete er 14 richtungsweisende Bauten, die seit 2014 als National Historic Landmarks von der Getty Foundation betreut werden.
Mori, unter ärmlichen Umständen in Kobe aufgewachsen, emigrierte 1966 mit ihrem Vater in die USA. 1971 wurde sie an der Cooper Union School of Architecture, New York, diplomiert. Seit 1995 unterrichtet sie an der Harvard University Graduate School of Design sowie an anderen Eliteuniversitäten in den USA. Ihr 1981 gegründetes Büro Toshiko Mori Architect schuf Ikonen der Baukunst, wie 2009 das Darwin D. Martin House Visitor Center für Frank Lloyd Wrights Meistervilla in Buffalo, NY. Mit ihrem Wohnhaus Cloudline, 2013, in Columbia County, NY, rückte sie in die Spitze der Architektur auf. Ihre Universitätsbauten in Providence, RI, und Cambridge, MA, zählen zu den Musterbeispielen nachhaltiger Architektur. Für die Albers Foundation verwirklichte Mori im Senegal 2015 und 2019 richtungsweisende Schul- und Wohnarchitektur für Staaten der Dritten Welt. Daneben ist sie eine in den USA gesuchte Ausstellungsarchitektin und Gestalterin der Flagshipstores für die japanischen Modedesigner Issey Miyake und Rei Kawakubo.
Beide Architekten, Nakashima und Mori, in USA ausgebildet und in fremden Kulturen tätig, sind deutlich in den Gestaltungsprinzipien und der Materialethik traditioneller japanischer Kultur verwurzelt. Gleichermaßen durch die Weltkatastrophen des 20. Jahrhunderts benachteiligt, setzten sie sich mit Zähigkeit und Kreativität auf ihren Spezialgebieten durch. Sowohl Nakashima, als auch Mori gaben mit ihrem sozialen Engagement aus ihren Erfolgen zurück.
Abbildungen: Golconde Dormitory, 1937-39; Pondicherry/Coffee Table, 1993 (2023: 254.000 US$); Visitor Center, 2009, Buffalo, NY; Artist Residence, 2015, Sinthian, Senegal
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Prof. Dr. Ulrich Schneider war als Kunsthistoriker über dreißig Jahre leitender Mitarbeiter und Direktor mehrerer deutscher Museen. Lange Jahre lebte er in Italien und Japan. Für seine internationale Zusammenarbeit wurde er mit den Titeln eines Cavaliere Ufficiale dell‘Ordine del Merito della Repubblica Italiana und eines Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres de la République Française dekoriert. An der Goethe-Universität in Frankfurt am Main lehrt er Kunstgeschichte.
Datum: 20. November 2024, 18 Uhr c.t.
Ort: Gebäude SKW, Hörsaal A

