Semestereröffnungsvortrag Charlotte Scheurer, M.A.

Die Autorin Mori Mari und die Prinzipien der „luxuriösen Armut“ in ihrem Werk

Die Autorin Mori Mari (1903–1987) ist bekannt für Memoirschriften wie Chichi no bōshi („Vaters Hut“, 1957) und Erzählungen wie Koibito-tachi no mori („Wald der Liebenden“, 1961) oder Kareha no nedoko („Das  Bett aus welkem Laub“, 1962), die frühe Beispiele für von Frauen geschriebene Literatur über romantische Beziehungen zwischen Männern sind.

In ihrem vielfältigen Gesamtwerk stechen jedoch ebenso ihre Erzählungen über den kuriosen Alltag der autobiographisch inspirierten Figur Mure Maria heraus, die sich inmitten von handverlesenen, farblich abgestimmten Gläsern, Blumen, Porzellan und Handtüchern in ihrer kleinen, heruntergekommenen Wohnung ein ästhetisches Paradies erschaffen hat – zumindest der eigenen Wahrnehmung nach. Die in diesen Texten aufscheinende Philosophie der „luxuriösen Armut“, die Bezeichnung der Autorin für diesen bewusst und selektiv hedonistischen Lebensstil in finanziell schwierigen Zeiten, fasziniert Leser:innen bis heute.

Zeitaku binbō („Luxuriöse Armut“, 1960) ist der Text, in dem Mori Maris Beschäftigung mit diesem Kernthema begann. Im Rahmen ihrer Beschäftigung mit der Autorin hat Charlotte Scheurer die erste deutsche (und damit auch erste europäische) Übersetzung der Erzählung angefertigt. In ihrem Vortrag erläutert sie biographische und werkhistorische Kontexte und thematisiert relevante sprachliche sowie stilistische Charakteristika. Darüber hinaus arbeitet sie heraus, wie die Autorin die Prinzipien der “luxuriösen Armut” verwendet, um ihre Protagonistin gesellschaftlich zu positionieren. Ausgewählte Auszüge aus der Übersetzung geben zudem direkte Einblicke in die originelle Welt von Mure Maria.


linkes Bild: aus Eureka: Poetry and Criticism ユリイカ 詩と批評 39, Nr. 15 (2007): S. 140.
rechtes Bild: Mori Maris Küche, aus: Kamino, Kaoru 神野薫. Mori Mari: Zeitaku binbō gurashi 森茉莉贅沢貧乏暮らし („Mori Mari: Ein Leben in luxuriöser Armut“). Tōkyō: Hankyū Komyunikēshonzu, 2003. S. 29. Foto: Shirakawa Munemichi 白川宗道, Januar 1982.

------------------------------------
Charlotte Scheurer hat an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Hitotsubashi-Universität in Tokyo Regionalstudien Asien/Afrika mit Schwerpunkt Japan studiert. Sie ist studentische Mitarbeiterin an der Mori-Ōgai-Gedenkstätte und seit 2023 als freiberufliche Übersetzerin tätig. 

Datum: 24. Oktober 2024, 18 Uhr c.t.
Ort: Gebäude SKW, Hörsaal B