
Literatur und Religion / "Spirituelles Japan"

Literatur und Religion ist ein spezielleres Forschungsfeld, das japanologisches und religionswissenschaftliches Wissen vereint und dessen Betrachtung wichtige Hinweise auf weltanschauliche Debatten japanischer Intellektueller sowie auf die Zeitströmung der Selbst- und Sinnsuche im Japan der späten Shôwa-Ära gibt. Selbstsuche (jibunsagashi) und die Suche nach Heilung - und Trost (Stichwort iyashi) sind heute große Trends, deren Kenntnis Aufschluss über die japanische Konsumgesellschaft und ihre Lifestyledesigns verspricht; religiöse Bestseller und die allgemeine Ratgeberliteratur (ikikata no hon), die wir einer Sichtung unterziehen, echoen zudem das Bedürfnis nach spiritueller Orientierung im gegenwärtigen Japan. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Inken Prohl (Universität Heidelberg) forscht die Japanologie Frankfurt auch zum Thema religiöse Kultur im gegenwärtigen Japan.
Religiöse Kultur im gegenwärtigen Japan
Seit den 1970er Jahren konstatieren Religions- und Japanwissenschaftler eine erneute Zunahme der öffentlichen Präsenz von Religionen in Japan. Beobachten lässt sich, dass Religionen sowohl im allgemeinen Diskurs als auch als Gestaltungsmacht des gesellschaftlichen und individuellen Lebens eine zunehmend signifikante Rolle spielen. So ist die Anzahl der Publikationen über religiöse Fragen und "Spiritualität", die sich an ein allgemeines japanisches Publikum richten, in den letzten Dekaden deutlich angestiegen, und Religion und "Spiritualität" sind zu bedeutsamen Themen eines öffentlichen Diskurses in Japan avanciert.
Seit 1994 arbeitet Prof. Dr. Lisette Gebhardt mit der Religionswissenschaftlerin und Japanologin Prof. Dr. Inken Prohl (Universität Heidelberg) im Bereich der Erforschung der japanischen Religion und des Religionsdiskurses zusammen (Präsentation der Ergebnisse auf nationalen und internationalen Veranstaltungen, z.B. Inaugural Konferenz SOAS/London, 1999; DIJ Workshop zur „Rückkehr der asiatischen Spiritualität“/Tôkyô, 1997). Dem Forschungsteam gelang es, unterstützt von Prof. Hidetaka Fukasawa, Religionswissenschaftler der Hitotsubashi Universität/Tôkyô, die bislang kaum in adäquaten Analysen erfasste gegenwärtige japanische Esoterikströmung sowie die zum Teil ideologisch gefärbten Diskurse um Religion innerhalb der japanischen intellektuellen Szene zu erschließen. Die Tragweite dieser Forschungen wurde nicht zuletzt durch die Terrorattacke der neureligösen Vereinigung Aum Shinrikyô im März 1995 verdeutlicht. Geplant ist eine Ausweitung der Analysen einschließlich Feldforschung in Japan.
geändert am 18. Februar 2011 E-Mail: Goethe-Universität - Japanologie FB 09japanologie@uni-frankfurt.de
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