
Vortrag Prof. Dr. Steffi Richter, Universität Leipzig, Japanologie: "Nachdenken über Trans- /Nationalität im 'Post-Fukushima'-Japan"
(Reihe Sonderveranstaltungen "Japan und Japanologie in der Post-Fukushima-Ära - II")
In Kooperation mit dem Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien (IZO)
1. Lange Zeit wurde das Nachkriegsjapan als eine Erfolgsgeschichte beschrieben, in der eine relativ homogene und immer wohlhabendere Mittelstandgesellschaft entstanden sei, die ihre nationale Identität u.a. aus der mit technologischem Fortschritt einhergehenden „home electrification“ bezogen habe. Bekannte Stichworte sind: „Akarui seikatsu“, „Kaku kazoku“, „Ôru denka“. Dieses Selbstbild basiert auf einer strikten Trennung „Wir/Japan/er“ vs. „Welt/Westen“ („innen vs. außen“). Spätestens mit der Katastrophe von Fukushima aber ist dieser Mythos endgültig zusammengebrochen. Die Energie- und Atomindustrie – ein blinder Fleck auch in der japanologischen Forschung – zeigt, wie sehr „Japan“ spätestens seit den 1950ern längst Teil globaler politischer, ökonomischer und auch kultureller Kräfte war.
2. Ex-Premier Kan Naoto wenige Wochen vor der Dreifachkatastrophe auf dem World Economic Forum in Davos (29. Januar): Arbeit sei das Band (kizuna), über das Japaner ihren Platz in der Gesellschaft definierten, weshalb diese kizuna jetzt, in Zeiten scheinbarer Exklusion und Introversion, neu zu gestalten seien. In einem davon verschiedenen Sinn hatt sich jedoch bereits lange vor dem 11.3. auch in Japan eine Art neue Bewegung formiert, die sich gegen die Prekarisierung von Arbeit, von Leben allgemein richtet. Amamiya Karin oder Matsumoto Hajime von "Shirôto no ran" ("Aufstand der Laien") sind zwei Akteure dieser mit dem "Euro Mayday" in Verbindung stehenden Bewegung (die 2001 in Mailand begann). Beide spielen nunmehr auch in den Protesten gegen die AKW eine zentrale Rolle – und sind damit Teil einer transnational und transversal agierenden „multitude“ (Negri/Hardt), d.h. neuer sozialer Bewegungen, über die auch in Japan diskutiert wird.
Datum: Donnerstag, 2. Februar 2012, 18:00 Uhr c.t.
Ort: Campus Bockenheim, Raum Jur 717
geändert am 31. Januar 2012 E-Mail: Goethe-Universität - Japanologie FB 09japanologie@uni-frankfurt.de
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